Mittwoch, 16. Mai 2012

SCHEISSENHAUSEN

Unterwegs mit einem Van der wie ein FLugzeug klingt, einem Campervan mit Eltern und einem Stationwagon mit zwei Englaendern und mir... da kommen interessante Denglische Gespraeche zustande. So bin ich mir sicher das sich mit der Rueckkehr meiner Eltern nach Deutschland "Scheissenhausen" als Schimpfwort ganz schnell durchsetzen wird. Genau so wie "was geht'n Brotkorb?" und andere Worte die man nur sagt wenn man seinen Finger in der Autotuer einklemmt und nicht einfach so im Internet herausplappert...
So trafen wir also meine Eltern in Perth und machten uns ziemlich (in)direkt auf den Weg nach Darwin. Erstmal machten wir noch einen Abstecher zum Waverock zum Surfen und trafen uns dann bei den Pinnacles mit meinen Eltern wieder. Die hatten sich bis dahin schon fast von dem ersten Schock auf der linken Strassenseite zu fahren erholt und es konnte losgehen.

                                                               
                                                                    Perth City


                                                    The Pinnicels - or Pinapples



                                                         
                                                          Surfing auf dem Wave Rock


DIe erste Haerteprobe vorallem fuers Gewissen ergab sich dann im Kalbarri Nationalpark. Die Nationalparks sind naemlich nur ueber Dirtroads zu erreichen, was das Autobesitzer-Herz schmerzen laesst und die die sich einen Wagen leihen der natuerlich nicht auf Dirtroads versichert ist (ich nenne jetzt keine Namen) haben ein Gewissensproblem. Aber nur ein kleines, denn wer laesst sich schon so etwas entgehen...




Natures Window

 

Nach Kalbarri sind wir dann erstmal aus Australien ausgereist fuer einen Tag. Ins Koenigreich HuttRiver. Ein Farmer dem Australiens Gesetze nicht gefielen entschied sich kurzerhand einfach Koenig seines eigenen Reiches zu werden und zu machen was er will. Dazu musste er nur Australien den Krieg erklaeren und 3 Tage im Kriegszustand bleiben ohne Anzugreifen (was mit einer 1 Mann Armee ja auch nicht schwer ist). Jetzt ist er Koenig von HuttRiver uns lebt mit seiner Koenigin in seinem "Reich". SIe haben ihre eigen Waehrung, Flagge, Kapelle mit Thron und bekommen Geschenke und Einladungen Praesidenten und Koenigen aus der ganzen Welt. Fuer 2$ bekommt man sogar einen Aus- und Einreisestempel in seinen Passport. In seinem “Haus”hat sich ueber die Jahre ein Sammelsorium von Merkwuerdigkeiten angehaeuft und man wird hindurchgefuert wie durch ein Museum. Da verstaubt der Koenigliche Rolce Royes in einem Schuppen und im Andenkenladen findet man allerlei Merkwuerdiges, sowie eine Stickerei vom Phantasialand gleich neben einem Brief von Johannes Rau und den Koordinaten des Sterns der dem Koenig von Hutt River gehoert.


     Hm was macht diese Stickerei in Hutt River...? Ob der Koenig die Black Mamba auch toll findet?


Wir fahren zurueck an die Kueste zum “örtchen”Monkey Mia, der nur aus einem Steg und einem Resort besteht. Dort kann man taeglich “wilde”Delfine beobachten. Beobachten wie sie vom Laerm des ueberfuellten Strandes angelockt werden und dann ganz wild mit Fischen gefuettert werden. Zwar ist es beeindruckend Delfine so nah zu sehen und es gibt viele Regeln die sie schuetzen. Wie kein Anfassen, nur 3 Fische pro Delfin…blabla. Doch fand ich es viel beeindruckender als wir abends an den Strand kamen, ausserhalb der Fuetterungszeiten, und die Delfine aus dem Wasser huepfen sehen konnte, frei und wild.

Die Kueste entlang ging es nach Coral Bay… Coral Bay…hach der Name ist schon herrlich. Vorbei an Shell Beach. Ein Strand der nur aus Muscheln besteht. Aus weissen Muscheln.






                       
                       Roadtrains werden hier bis zu 36m und drei Anhaenger lang...dann gibt
                       noch die Oversize Roadtrains die ganze Haeuser transportieren! 


                                       Papa schnorchelt mit Riesenfischen und Schildkroeten


Hm Ja und Coral Bay. Das Tor zum Ningaloo Reef. Vom Schneeweissen Strand aus kann man einfach mit seinem Schnorchel auf dem Kopf ins Wasser latschen, schwimmen, kopf unter tauchen und Korallen Sehen.

Und man kann noch etwas anderes am Nigaloo Reef sehen. Etwas grosses. Etwas Riesiges. Das man nur einmal im Jahr sehen kann und nur an 3 Stellen auf der ganzen Welt.




BAM! Whaleshark. Die groessten Fische der Welt. Aaron, tom und ich ruinieren uns finanziell und durfen dafuer 5x mit einem 8m langen Walhai schwimmen. Man huepft vom fahrenden Boot, steckt seinen Kopf ins Wasser, wartet ein paar Sekunden und wie aus dem Nichts taucht ein Schatten vor einem auf. In der naechsten Sekunde schwimmt ein riesiger Walhai direkt auf dich zu. Sein Maul so gross das es einen ausversehen verschlucken koennte, kleine Fische tummeln sich um seinen Kopf. Gefaehrlich ist der Riese nicht, da er sich nur von Plankton ernaehrt. Zu nah sollte man seiner Schwanzflosse aber nicht kommen. Waehrend man noch staun und den Riesen in 3 m entfernung an sich vorbei gleiten laesst, schwimmt der Guide schon mit schnellen Zuegen los und dann muss man schnell sein um mit dem Walhai mithalten zu koennen und neben ihm zu schwimmen. Irgendwann haengt er einen dann doch ab. Schnaufend zieht man sich wieder aufs Boot, um 3m spaeter wieder ins Wasser zu huepfen und von neuem Ueberwaeltigt zu werden. Auch nach dem Fuenften Mal kann man noch nicht fassen was man gesehen hat





Vorher noch Waise und mal im Auto meiner Eltern, mal im Van, nehmen mich die Englaender auf und Fanny ist nun mein neues Zuhause. (Englaender sind Schweine…google translater verraet euch sicher was Fanny bedeutet…und wer sein Auto schon so nennt). Das neue Auto bringt sehr viel Beinfreiheit, gute Musik (DJ Bomba ausgenommen) und sehr viel Englisch mit sich. Nicht das ich noch als Deutsche gesehen werde. Wundern sich doch Aaron und Tom ueber mein Sprachtalent, wenn ich Deutsch rede. Wie begabt ich doch bin, neben Englisch noch Deutsch zu sprechen^^. Doch trotzdem weigere ich mich Baked Beans zum Fruehstueck zu essen, Mint Tim Tams gut zu finden und Nudeln mit Reis oder Kartoffeln zu akzeptieren.

Das uns nach dem Walhaien noch etwas umhauen koennte, haetten wir nicht gedacht, doch da hatten wir nicht mit dem Karijini Nationalpark gerechnet. Unzaehlige canyons die von oben beeindruckend aussehen und sich weiter unten in grosse Hoehlen, mit eiskalten Pools und Wasserfaellen eroeffnen. Bei Wanderwegen der Klassifizierung 5 (wobei 6 Kletter- und Abseilausruestung voraussetzt und ohne Genehmigung illegal ist) hilft es einem nicht wenn man Erkaeltet ist, einem die Beine zittern, der Kopf schwirrt und man fiebrig ist (was auch einfach die Sonne und 40C im Schatten sein koennte). Vom Campground aus brauchte man nur zu einem Wasserfall hinuner klettern und konnte im Ferpool schwimmen und sich den Ruecken von einem Wasserfall massieren lassen und sich die Fuesse von kleinen Fischen anknabbern lassen. Andere Leute bezahlen fuer so etwas Geld.
Kermit Pool war die Beeindruckendste Wanderung. An den Felsen hangelt man sich entlang, oder wadet durch das Wasser, man klettert keinere Wasserfaelle hinunter und gelangt schleisslich in eine Hoehle mit einem Pool. Durch einen Schlitz in der Decke scheint die Sonne und leuchtet warm auf das eiskalte Wasser.


Fernpool




Kermitspool...sooo kalt ( Die Jungs demonstrieren in dem sie etwas unsichtbares Kleines mit Zeigefinger und Daumen messen)


Viel zu frueh mussten wir weiter fahren. Am 80 Mile Beach entlang, Broom, Cable Beach, riesigen Boab Baeumen und an den Kathrines und dem Bungle Bungle Nationalpark vorbei Richtung Darwin. Diese beiden Nationalparks sind leider wirklich nur mit Allrad Autos zu erreichen und dann auch nur auf eigene Verantwortung und wenn die oft ueberfluteten Strassen mal geoeffnet sind. Wir armen Backpacker fuhren also traurig an den Schildern vorbei und schworen uns wieder zu kommen. Schon die Strassen durch die Kathrines liessen erahnen wie spektakulaer es in den Kathrines aussehen muss. Nicht ohne Grund hat Baer Grilz seine letzte uberlebenfolge dort gedreht und waere in der Wildniss fast gestorben. Es ist wirklich ein riesiges, groesstenteils unerforschtes Gebiet. Meine Eltern machten eine Runflug ueber die Bungle Bungles und wir trafen sie 3 Tage spaeter mit immer noch leuchtenden Augen udn tollen Fotos im Gepaeck in Kathrine wieder.



Da alle im Auto schlafen nur ich Zelte, bekommt auch niemand den Spass mit den man nachts alleine in der Wildniss in einem Zelt haben kann. Riesige Kuehe die sich nachts ans Zelt schleichen (kennt jemand die Szene aus Jurassic Park in der das Wasser im Wasserglas wackelt als sich der T Rex naehert) und einem mit ihrem Geschnaufe aufwecken. Wallabies die am Zelt knabbern und den Foodbag von Tisch schmeissen. Und natuerlich die eigene Phantasie wenn man neben einem Fluss campt vor dem ein Schild steht “Extreme Krokodil Gefahr”, oder vor einem Militaergebiet parkt mit Schildern die von Lazar hazards sprechen und sagen“don’t touch anything it may explode”. So ist man morgens immer frisch und munter und erholt und wenn man sich dann nachmittags zu einem kleinen Bubu ins Zelt kuschelt was koennte dann schoenes passieren? Man wacht auf weil man eine bekannte Stimme hoert. Es ist-

Nikolaj! Der sich in Kathrine bei einem Woofer rumtreibt Blaetter isst und Yoga macht. Den nehmen wir also kurzerhand mit und gemeinsam fahren wir in den allerseits umschwaermten Kakadu Nationalpark. Der ist allerdings die groesste Enttaeuschung der Westkueste. Alle Attraktionen sind gesperrt aufgrund von Buschfeuern, Ueberschwemmungen oder nur per 4xDrive erreichbar. Also verbringen wir unsere Zeit im Swimmingpool, denn es ist unertraeglich heiss und schwuehl und wir alle von Muecken zerstochen. In der schoensten Nacht fluechten wir frueh in unser Zelt. Ahhh keine Muecken. Es ist warm, es is heiss, ich kann nicht atmen. Es ist wie eine Sauna, ich liege auf einem grossen Stein und jemand hat sein Campingklo direkt unter unserem Zelt ausgeleert. Es feangt an zu regnen. Raus, plane aufs Zelt. Es ist noch heisser im Zelt, es stinkt zum gotterbamen und Muecken haben es ins Zelt geschafft. Sie versammeln sich vor dem Eingang und den Luftloechern. Nassgeschwitzt wacht man Nachts auf weil die Muecken so einen Laerm machen. In grossen Schwaermen sitzen sie auf dem Zelt und machen einen Hoellenlaerm. Noch tage spaeter sehen wir alle aus als haetten wir Lepra oder irgendeine Hautkrankheit…ich glaube Kakadu NP ist nicht mein Favorit.




Aboriginie Paintings, die haben uns wirklich beeindruckt


Wir kommen also endlich in Darwin an. Reist man so 9000km mit den gleichen Jungs, kommen die schon mal auf merkwuerdige Ideen. Wie eine Wette abzuschliessen sich von Perth bis Darwin nicht mehr zu rasieren. Bei der hitze, Fliegen die einem tagsueber in Nasenloecher, den Mund und ins Auge krabbeln und Muecken die einen jeden Abend umschwirren ist das reichlich unangenehm. Doch sie haben alle durchgehalten. Und noch eine groessere Ueberraschung ist es als wir Nikolaj treffen und auch der sich einen Bart hat wachsen lassen. So heisst es dann in Darwin grosse Rasieraktion. Die Plaene vom Schnaeuzer werden verworfen, sieht man doch wie Supermario damit aus. Frisch und sauber gehen wir alle essen und porbieren Krokodil, Emu, Kaenguru und sonstige Merkwuerdigkeiten im Magic Wok.


Es ist wieder Abschiedszeit. Am naechsten Tag verabschieden wir uns wiedereinmal vom Nikolaj…doch diesmal endgueltig! Bis in 2 Monaten in Deutschland…ach Nikolaj^^

Kurz danach ist es auch so weit fuer meine Eltern. Es geht wieder nach Hause fuer sie. Es stehen schon Plaene bald zwei Englaender zum Deustch lernen und Fatorell-eis essen in Herscheid aufzunehmen und alle sind sehr traurig als sich unsere Truppe aufloest. Danke Mama und Papa, es war eine unglaublich schoene Zeit. Wer haette gedacht das ein Urlaub zu so einem Abenteuer werden kann und man in so kurzer zeit Freunde finden kann. Ob aus unterschiedlichen Generationen oder Heimatlaendern oder Sprachen, das macht alles keinen Unterschied, denn alle wollen nur das gleiche. Ein Abenteuer erleben, sich frei fuehlen und Dinge erleben, die man sich niemals zugetraut haette.



Ich entschuldige mich fuer den ueberlangen Blog aber es ist noch nicht einmal ein Bruchteil von dem was passiert ist. Und die Entschuldigung fuer die vielen Fotos... ich hab meine Kamera wieder!

Bis bald. Ich hab euch lieb. <3

Laura, alias clumsy Kluth

P.S. Scheissenhausen, da werd ja  selbst ich ganz sentimental. J


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